Елена Вайцеховская о спорте и его звездах. Интервью, очерки и комментарии разных лет
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Translations - Deutsch - Ringen
Alexander Karelin:
«ICH VERSTEHE NICHT
WIE ICH DEM UNGARN ZWEI RIPPEN BRECHEN KONNTE»
Alexander Karelin
Photo© Sergey Kivrin
Alexander Karelin

«Ich habe einen sehr grossen Vorteil: Ich vertrete auf der Matte eines der starksten Lander», - sagte Karelin bei der Pressekonferenz in Sofia den bulgarischen Journalisten. Diese Worte riefen ein allgemeines Gelachter hervor. Nachher, in einem Einzelgesprach, bemerkte der dreifache Olympiasieger und achtfache Weltmeister, der soeben zu seinen Auszeichnungen die elfte Goldmedaille bei Europameisterschaften hinzugefugt hatte:

- Da gibt es nichts zum lachen. Ich habe nicht nur die Chance in der besten Mannschaft der Welt zu trainieren. Wenn man nur die Sparrings ahlt, die ich gefuhrt habe und sich an die Gegner erinnert, mit denen ich kampfte – welcher andere Ringer hat diese Moglichkeiten? Die russische Mannschaft gibt allen, die in sie kommen, eine sehr grosse Chance. Es ist meiner Meinung nach ein Verbrechen diese Chance nicht zu nutzen.

- Aber die Mannschaft hat sich ja im Vergleich zu fruher verandert.

- Naturlich. Alle mit denen ich in der Nationalmannschaft kampfte, sind allmahlich gegangen. Die Zusammensetzung der Trainer hat sich auch sehr stark verandert. Es sind nur noch ein paar Leute geblieben, mit denen mich die selbe Motivation, das selbe Wertesystem verbindet. Ich will nicht behaupten, dass ich einen grossen Altersunterschied zu den jungeren Ringern verspure, aber sie sehen einige Sachen einfach anders. Und wenn mich fruher nur wenige Leute San-Sanitch genannt haben, nennen mich heute alle so, sogar die Trainer. Ich bemuhe mich, das ganze ironisch zu sehen und - was noch schlimmer ist – mich daran zu gewohnen. Da gibt es noch eins – die Titel. Im Ausland ist es ja nicht so schlimm, aber bei den Russischen Meisterschaften ist es mir direkt peinlich. Diese Reihe von Titeln macht mich ganz fertig.

- Warum?

- Weil man unwillkurlich beginnt anders zu trainieren, wenn man den Gedanken zulasst, ein Veteran zu sein. Dann wird man auf der Matte wirklich daran erinnert wie alt man wirklich ist. In erster Linie die Konkurrenz. Man darf nicht zeigen, dass man alter wird. Ausserdem muss man ein bisschen mehr trainieren als fruher.

- Hat es sie psychisch bedruckt, dass sie im Vorkampf zu verlieren begannen und ihr Gegner ihnen punktemassig recht lange voraus war?

- Der Druck kam nicht deshalb. Jetzt kann ich sagen, dass ich sehr gut vorbereitet war. Dieser Gedanke hat mich zu sehr entspannt. Vielleicht ist ihnen aufgefallen, dass ich nach dem zweiten Kampf jegliche Kommunikation mit den Fans eingestellt habe. Ich habe aufgehort auf die Tribunen zu gehen und habe mich besser aufgewarmt. Und alles stellte sich wieder auf den richtigen Platz.

- Von der Seite sah es so aus, dass sie Ihre Gegner sehr selektiv behandelten. War es wirklich so?

- Wenn der Ungar Michai Deak mich nicht gleich im ersten Kampf auf die Nase geschlagen hatte, ware ich nie auf die Idee gekommen, so aggressiv mit ihm zu kampfen. Ich habe keine Ahnung wie ich es geschafft habe ihm – wie er behauptet – zwei Rippen zu brechen. Ich glaube ehrlich gesagt nicht einmal, dass die Rippen wirklich gebrochen sind. Er hat mich mit Absicht geschlagen. Es ist namlich gar nicht so einfach mit dem Kopf die Nase zu treffen. Ausserdem hatte ich in dem besagten Moment meinen Kopf relativ hoch gehoben.. und meine Nase geht ja nicht uber das halbe Gesicht. Mit dem Italiener kampfte ich ganz anders. Wir haben eine ganz andere Beziehung zueinander. Fruher kampfte Jean-Luc Vasura fur Italien. Als er aufgehort hat, wurde er Bildhauer und studierte in der Kunstakademie. Giuseppe Giunta war eigentlich sein Nachfolger. Er hatte eine sehr grosse Achtung vor unserer Kampfschule und lernte sogar Russisch, um sich besser mit uns unterhalten zu konnen. Als ich ihn ... fallen lie?, stand er auf und sagte angefressen: «Danke».

- Wahrscheinlich haben sie ihn zu vertikal am Kopf gestellt.

- Ich bin nicht schuld. Ich wollte einen normalen Wurf machen, bin sogar absichtlich einen Schritt gegangen, und er fiel mit dem Kopf nach unten. Entweder er dachte, dass er so besser herauskommt, oder er stellte sich einen Flug vom .... anders vor. Und im Finale war der Grieche Sofianidis selber schuld – genau wie der Ungar. Ich hatte mir zum Beispiel nie gedacht, dass er mir einen blauen Fleck hinterlasst. Im Bezug auf mich, verzeihe ich solche Sachen nicht. Sonst wissen morgen schon alle, dass man gegen den Karelin solche Methoden einsetzen darf. Er hat mich ja auch geschlagen, weil er sich davon irgendwas erwartet hat, stimmt's? Das mir schwindlig wird oder so.

- Und wurde ihnen schwindlig?

- Nein. Der Grieche sah mich in dem Moment an und ich bemerkte plotzlich, dass er blaue Augen hat. Ich habe mich gewundert. Er selber ist ganz schwarz und die Augen blau.

- Wie haben sie es geschafft, ihn fur den Wurf aufzuheben? Er musste ja sehr schwer gewesen sein.

- In Wirklichkeit war er gar nicht so schwer. Roh. Aber die Arme und Beine sind kurz. Es ist leichter mit so einem Gegner fertig zu werden, als den Ungarn zu schleppen... Es war blod von ihm, mich mit dem Kopf zu schlagen. Damit hat er sich und mir Probleme eingehandelt.

- Wieso mit Ihnen?

- Ich habe mich zu sehr mitreissen lassen. Ich bin wutend geworden. Wissen sie ubrigens, worin sich ein Finalkampf von den Vorrunden unterscheidet? Man muss beides gewinnen, aber in der Vorrunde weiss man nicht so recht woran man ist. Man muss seine Krafte fur den ganzen Wettkampf einteilen und sich Gedanken uber alles mogliche machen. Im Finale hat man nichts mehr zum verlieren. Man ist ganz sicher Zweiter, und mit ein bisschen Gluck sogar Erster. Jeder Griff kann den Kampf entscheiden. Da ist uberflussige Aufregung nicht am rechten Ort. Sogar mit so einem Gegner wie dem Griechen.

- Viele Leute sind der Meinung, dass das neue Wettkampfsystem sehr unfair ist. In ihrer Kategorie zum Beispiel, sind alle halbwegs ordentlichen Sportler rausgeflogen. Ubrig geblieben ist nur irgendwer.

- Das ist nur eine Frage des Glucks. Lose ziehen – ist ein blinder Fall. In Sofia zum Beispiel, kam es so, dass alle guten Ringer, darunter auch ich, in einen Pool kamen. Wie komisch dann das Finale ausgesehen hat, ist ja nicht meine Sache. Auf der Matte kann alles passieren. Das beste Beispiel – meine ersten zwei Kampfe. Ich weiss ganz genau, dass man von mir was ganz anderes erwartet.

- Das Karelin die Matte betritt, einen Griff macht und den Gegner sofort ...

- Oder fruhzeitig auf die Schulter legt. Jedenfalls keine solche Sachen wie zweimal innerhalb eines Kampfes einen verkehrten Ausheber. Es ist nicht gerade angenehm, wenn nach dem Kampf alle zu einem kommen und dir auf die Schulter klopfen – so auf die Tour, sei nicht traurig Opa, das kommt vor. Gerade mal, dass sie nicht mit dem Besen auf die Matte gekommen sind, um mir den Sand wegzuwischen. Der einzige der die richtigen Worte gefunden hat, war der Olympiasieger Nikolai Balaboschin. Er kam als wir mit den Trainern den Kampf ausarbeiteten in die Trainingshalle und sagte: «Sascha, du musst Dich auf sie einstellen und nicht umgekehrt. Egal mit welcher Punktzahl du siegst, es ist ein Sieg». Heutzutage kampfen viele ganz anders – sie versuchen alles am Anfang des Kampfes zu entscheiden. Wir nennen das, das «Georgische Syndrom»: wenn es ihnen aufgefallen ist, alle georgischen Ringer entscheiden den Kampf entweder in den ersten Minuten fur sich, oder sie verlieren. Ohne Ausnahme. Von mir erwartet man wahrscheinlich, dass ich mit dem Alter anfange aufzugeben, aber ich habe derweil genug Kraft und Luft. Ausserdem finde ich es leichter, am Ende des Kampfes, wenn der Gegner mude wird.

- Und dann – die beruhmten drei Griffe?

- Sie ironisieren es zu Unrecht. Ich meine es vollig ernst, wenn ich sage, dass mir drei Griffe vollig reichen. Mein Trainer, Viktor Michailovich Kusnetzov hat aber Recht, wenn er sagt, dass ich im Training meine Griffe vervielfaltigen soll. Je weniger starke Seiten ein Ringer hat, um so schwieriger ist es, ein Gegenmittel zu finden. Aber wenn wir mit dem Trainer zu einem Wettkampf kommen, hore ich jedes mal: «Wir haben drei vorbereitete Griffe – halte dich daran». Was ich auch mache. Nach dem Finale kam ubrigens der griechische Trainer zu mir, gratulierte mir und meinte: «Stell dir nur vor, ganz Griechenland hat Dich im Fernsehen gesehen. Wenn du zu den Weltmeisterschaften kommst garantiere ich Dir, dass Dich das ganze Land auf den Strassen erkennt».

Scheinbar habe ich Dank Sofiandis nicht nur die Europameisterschaften gewonnen, sondern auch gleich Werbung gemacht...

1999

 

 

© Елена Вайцеховская, 2003
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