Елена Вайцеховская о спорте и его звездах. Интервью, очерки и комментарии разных лет
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Translations - Deutsch - Ringen
Alexander Karelin
Photo© Sergey Kivrin
Alexander Karelin

Er ist dreifacher Olympiasieger und seit kurzem neunfacher Weltmeister. Aber wie ich mit Karelin sprach, habe ich darauf vergessen. Ich dachte da ran, dass er eigentlich kein russischer Held, sondern ein Volksheld ist. Schliesslich war es ja kein Zufall, dass die Fans, die beschlossen haben aus Novosibirsk nach Athen zu kommen, um dem Landsmann beizustehen nicht ins Flugzeug gepasst haben. Man brauchte zwei Fliige...

Alexander Karelin:
DER GOTT DES RINGES

«Wollen sie ein Fleischleibchen?» - Fragte mich Karelin unerwartet, wahrend er beobachtete wie die Stewardessen des Fluges aus Athen, die traditionellen Tabletts mit dem Essen im Flugzeug verteilten. Als er meine zweifelnden Gesichtsausdruck bemerkte fugte er hinzu: «Ich habe sie gestern selber gemacht. Ich fand ein Geschaft, kaufte einige Sorten Faschiertes, vermischte sie und bat in einem Restaurant darum, dass sie das braten. Essen konnten wir beim Abendessen nicht alles, also habe ich mirden Rest mitgenommen».

Wenn ich ehrlich bin, hielt ich das Ganze am Anfang fur einen typischen Karelin'schen Scherz, fur die, im Gesprach mit Journaiisten, der dreifache Olympiasieger bekannt war. Aber als ich meine Zahne in das saftige Fleisch stiess, verstand ich dass er nicht gescherzt hatte: Es konnte in Griechenland, wo es bekanntlich alles gibt, so riesige, wahnsinnig gute, echt sibirische Fleischleibchen geben! Natiirlich griffen wir das Aeroflot Essen nicht einma! an.

- Mit solchen kulinarischen Talenten, miissen sie wahrscheinlich sehr oft vor Wettkampfen Gewicht reduzieren?

- Solche Probleme habe ich nie.

- Wieso?

- Wissen sie, ich habe einen sehr guten Freund - einen Gewichtheber, er sagte mir einmal: «Funf Prozent Gewichtsverlust, sind funf Prozent Kraftverlust». Meine Kraft will ich nicht verschwenden. Ich esse sehr gerne gute Sachen, aber meinem Magen folgen und alles fressen, um nachher wochenlang zu Hungern ist sinnlos und falsch. Wozu den eigenen Korper so qualen? Ausserdem finde ich sowieso, dass ich viel zu dick bin.

- Blodsinn!

- So ist es aber. Ich konnte auch schlanker sein. Wie man so schon sagt - was gewachsen ist, ist gewachsen, aber wenn ich mich mit Leuten treffe, habe ich immer das Gefuhl ubermassig gross zu sein. Ich weiss genau, dass die meisten Leute nicht mein Gesicht, sondern die Grosse meiner Fusse und Handgelenke interessiert. Es haben auch nicht alle diese Grossen vorher schon einmal gesehen.

- Sie werden normalerweise uberall erkannt. Waren sie auch schon einmal in der Lage, dass die Leute keine Ahnung hatten wer sie sind?

- Sicherlich. Ich hatte meinen Spass, als mich der Arzt bei der Dopingkontrolle nach dem Finalkampf bei derWM dreissig Minuten lang lobte und dann fragte: «Wie heisstdu?». Er war aber schon ordentlich angeheitert. Der letzte Fall war am athener Flughafen. Zwei Burschen sahen dass ich Autogramme vergebe und mich fotografieren lasse, kamen zu mir und fragten ebenfalls nach einem Foto. Dann horte ich wie der eine dem anderen sagt: «Warte, ich werde ihn doch fragen...» und fragt mich: «Entschuldigung, aber wer sind sie?». So seltsam es auch ist, aber ich bin in dieser Lage fur die Umwelt einfach ein grosser, kalorienreicher Mensch mit abstehenden Ohren - und so ist es auch am leichtesten. Wenn ich «DER Karelin» bin, muss ich standig einem gewissen Тур entsprechen. Ich habe kein Recht darauf unrasiert, oder ohne Krawatte zu sein. Deshalb achte ich bei Wettkampfen, wenn ich nicht starte, immer genau auf mein Ausseres. Ein Anzug diszipliniert und verpflichtet.

- Waren sie schon einmal in Verlegenheit, weil sie nicht richtig angezogen waren oder sich nicht ordentlich benommen haben?

- Oft genug. Ich war nie ein Mensch der gerne an der Offentlichkeit ist. Jetzt muss ich natiirlich oft an verschiedenen Orten sein und mit Menschen hohen Ranges sprechen, ich beginne mich langsam an diese Lebensweise zu gewohnen. Mit dem Gewand - unter anderem auch dem Sportgewand - war das Hauptproblem schon immer, etwas zu finden, das mir wirklich passt.

- Die Buchstaben «AK» auf ihren Hemden - sind sie ein Zufall?

- Nein. Die Hemden hat mir meine Frau bei einer Firma in Novosibirsk bestellt und hat darum gebeten, dass man meine Initialen auf die Taschen naht. Ich trage diese Hemden sehr gerne. Es ist ein schones Gefuhl zu wissen, dass die Sachen nur for dich gemacht wurden.

- Kaufen sie normalerweise ihr Gewand selber ein?

- Ja. Immer in grossen Mengen, damit ich einen Vorrat habe. Bei meinen Grossen ist es sowieso schwer der Mode zu folgen, es ist schon toll, wenn ich einmal was bequemes finde. Letztens habe ich mir drei Paar Jeans gekauft - alle in der gleichen Farbe und mit dem selben Schnitt. Im Prinzip gehe ich nicht gerne in Geschafte. Ich will nicht dauernd Blicke auf mich ziehen.

- In welchem Land haben sie die meisten Fans?

- Ich hoffe in Russland. Das ist das grosste Kompliment fur mich. Ich glaube ein Mensch kann nirgends so beurteilt werden wie daheim.

- Warum haben sie abgelehnt, fur grosse, auslandische Firmen Werbung zu machen und werben fiir die hiesigen?

- Ich habe Erfahrung im Ausland - ich machte Werbung fur den Katalog von Andreas Juhanssen - ich trat im Fernsehen auf und viel mehr. Jetzt will ich einfach den hiesigen Herstellem helfen. Wenn ich schon so auffallig bin - warum dann fur wen fremden arbeiten? Wenn sie wollen, konnen sie das als Patriotismus sehen.

- Ich weiss, dass sie bei zwei Meisterschaften mit ernsten Verletzungen auftraten, weil ihrer Meinung nach, die Mannschaft und das Land sie brauchten. Finden sie nicht, dass es im eigenen Interesse liegt, einen Wettkampf auszulassen, wenn die Gesundheit nicht in Ordnung ist?

- Ich habe dieses Jahr das Poddubni Turnier ausgelassen - ein sehr wichtiges Ereigniss fur jeden Ringer. Ich habe mich vier Tage vor Beginn verletzt - mir ist ein Knochen in der Hand angesprungen. Wenn das vor den Weltmeisterschaften passiert ware hatte ich aber gekampft.

- Worin liegt bei ihnen die Motivation bei den Weltmeisterschaften immer wieder das letzte zu geben, wenn hinter ihrem Riicken bereits zehn gewonnene Weltmeisterschaften liegen?

- Neun. Ein grosser Unterschied.

- Naja, so gross auch wieder nicht.

- Ich muss ihnen widersprechen. Ich habe uberhaupt Angst vor runden Zahlen. Sie verfolgen mich aber immer often Ich kann mich noch erinnern, wie alle mir als ich zum Ringen anfing sagten: «Sascha, lasse dir zeit, es liegt alles noch vor dir...». Und nun stehe ich immer vor runden Zahlen - wie im Leben so auch im Sport. Die Motivation ist aber einfach - Mein Trainer, Viktor Michailovich Kusnezow sagt, wenn ich weiterhin auf diesem Niveau bleiben will, muss ich innerhaib eines Jahres eine gewisse Anzahl von Turnieren bestreiten. Das ist ein Teil dieser Methode. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Sportier ein, zwei Jahre auslassen - und nachher wieder voll in den Sport einsteigen kann. Ich musste nach den Spielen in Atlanta ein Jahr auslassen und sogar da hatte ich bei meinem ersten Wettkampf Schwierigkeiten.

- Im Ringen - und uberhaupt in ihrer Gewichtsklasse kommt es nicht selten vor, dass die Ringer wahrend der Kampfe, wegen Uberanstrengung ernste Verletzungen bekommen. Denken sie daran, vorsichtig zu sein, wenn sie auf der Matte stehen?

- Denken kann man bei der Vorbereitung zum Wettkampf. Auf der Matte muss man kampfen. Das ist auch zu ihrer Kniefrage. Konnen sie sich noch erinnern wie sie mich gefragt haben, ob ich genau wie die anderen Ringer auch Knieschwierigkeiten habe? Damit einem die Knie im Wettkampf weh tun, muss man sie im Training mehr beanspruchen. Mehr werfen, als es der Gegnertut, mehrlaufen, mehr Krafttraining machen. Das ist alles.

- Haben sie unter ihren Gegnern Leute, die ihnen wegen ihrer unfairen Handlungsweisen auf der Matte besonders unsympathisch sind?

- Nicht viele. Hoffnungslos - so dass sie einem mit dem Knie in die Leber treten, oder den Finger ausrenken ohne sich nachher zu entschuldigen - ist keiner - alle passen sich an. Ich personlich erlaube mir so etwas auch nie. Also warum sollte das jemand mir gegenuber anwenden? Gegenseitiger Respekt ist eine meiner wichtigsten Forderungen - egal, wem gegenuber.

- Hatte man ihnen schon jemals Geld angeboten, damit sie im Kampf nicht aus voller Kraft werfen?

- Kam auch schon einmal vor. Ich habe zum ersten Mai naturlich nur gelacht - ich dachte das ist so ein Scherz. Nach einer Zeit hatte ich es vergessen. Erst in zwei Jahren habe ich erfahren, dass dieses Angebot sehr ernst gemeint war. In den letzten Jahren kam es nicht mehr vor - alle wissen, dass ich mich nicht auf so etwas einlasse. Trotzdem wird in manchen Landern geschrieben, dass ich genau auf diese Weise mein Geld verdiene.

- Und was ist wenn vor dem Kampf der Gegner zu ihnen kommt, und sie darum bittet ihn nicht zu «toten»? Wurden sie sich darauf einlassen?

- Naturlich.

- Und in welchen Fallen halten sie es fiir notig, sehr hart zu kampfen?

- Da habe ich ein paar meiner starksten Gegner.

- Ist ihr langjahriger Gegner Sergei Mureiko auch dabei?

- Naturlich. Unsere Beziehung hat eine sehr lange Geschichte. Sergei flog nur einmal von einem „ verkehrten Ausheber" - es war 1987, als wir beide erstmals bei den russischen Meisterschaften auftraten. Ein Jahr spater gewann ich sauber- ich legte ihn auf die Schulterblatter, obwohl ich keinen einzigen Wurf machte. Ich erinnere mich noch, dass ihm einer der Trainer solch peinliche Niederlage vorwarf, worauf er antwortete: «Dafur bin ich nicht von einem «Verkehrten Ausheber» geflogen. Mureiko umzuwerfen, ist fur mich noch immer ein Kompliment. Er ist ein starker Ringer, er war einfach nur langere Zeit krank. Ich freue mich, dass er wieder in Form kommt.

Ein anderes Beispiel ist Thomas Juhanssen. Gegen ihn kampfe ich schon langer als zehn Jahre. Das Los wurde fast immer so gezogen, dass wir im Entscheidungskampf aufeinandertrafen. Eigentlich fuhle ich mich schuldig vor Juhanssen: Dank ihm bin ich in Schweden sehr popular. Er konnte noch immer nicht siegen. Mit solchen Gegnern kann man sich nicht fur eine Sekunde entspannen.

Aber verstehen sie mich richtig: Einen Menschen zu schnappen, anzuheben und mitdem Kopf am Boden zu schleudern, war noch nie mein Ziel. Das Ziel ist ein anderes - eine technisch glanzvolle Leistung zu erbringen, die gut benotet wird. Ich bin ja nicht schuld daran, dass man fur einen technisch perfekten verkehrten Ausheber 6 Punkte bekommt.

- In Athen konnten sie diesen Griff nur einmal durchfuhren. Heisst das, dass sie schwacher werden?

- Das glaube ich nicht. Ich war zum Beispiel im Finale in Athen sehr enttauscht als ich mit dem Kubaner kampfte. Ich hatte den Griff geschafft, aber er schnappte mein Knie mit beiden Handen und stemmte es weg, und der Richter bemerkte es nicht...

- Hat es ihnen gefallen in Griechenland aufzutreten?

- Das war nicht meine erste Griechenland Reise, deshalb sind die Eindriicke nicht mehr so effektiv, aber ich habe eine besondere Einstellung zu Griechenland. Erstens, weil unsere Sportart der griechisch-romische Kampf ist. Ich war beim Akropolis Turnier und las auch schon viel uber dieses Land. Ich erinnere mich noch daran, dass ich sehr erstaunt war, als ich erfuhr, dass die Saulen in Akropolis nicht einfach nur mit harten Muscheln aus Marmor geschnitzt sind, sondern dass sie noch dazu hohl sind, und innen mit Blei angefullt. Sie sind ja schrecklich hoch! Mich fasziniert Qberhaupt alles, was mit der Geschichte der Menschheit zu tun hat. Mich entsetzt auch, wie gleichgultig die Griechen zu ihrer Geschichte sind. Vielleicht hurt man auf, das schone zu geniessen, wenn man daneben wohnt? Im grossen und ganzen ist es ein sehr gutes, gastfreundliches Volk, sie mogen das Ringen, obwohl man manchmal den Anschein hat, dass sie uberhaupt gerne anfeuern - egal was.

- Halten sie sich noch immer fur verpflichtet dem Publikum eine schone Kampfweise zu zeigen, und nicht nach Punkten zu kampfen?

- Naturlich. Es ist beleidigend, wenn die Lieblingssportart als uninteressant abgestempelt wird. Die meisten Zuschauer haben ja keine Ahnung von den Einzelheiten der Technik. Wenn sie auf die Tribune kommen, urn einen «Hummelflug» zu sehen, dann ist es meine Aufgabe, ihnen diesen Flug zu zeigen und ich versuche diese Aufgabe zu erfullen.

- Erschreckt sie der Gedanke, dass sie eines Tages vom Sport in ein anderes, vollkommen unbekanntes Leben wechseln mlissen?

- Nein. Als ich mich nach der Verletzung auskurierte, dachte ich erstmals emsthaft daruber nach, wie ungesichert so eine Karriere ist. Und dass man sich nicht festlegen darf. Wenn ein Mensch einen Kopf auf den Schultern hat, dann wird er auch mit 50 Jahren noch brauchbar sein. Deshalb denke ich auch nicht daruber nach, was nachher geschehen wird. Ich konzentriere meine ganze Kraft und Energie darauf, das derzeit wichtigste in meinem Leben zu machen. Erholen werde ich mich, wenn ich in Pension trete.

- Konnen sie sich wirklich als Pensionist vorstellen, der am Land wohnt und in seinem Garten Gemiise pflanzt?

- Ja, ich traume sogar davon! Der Garten ist naturlich ein bisschen ubertrieben, aber ich wurde gerne wirklich spuren, wie es ist ein Leben in der Familie zu fuhren. Vielleicht deshalb, weil ich mit dem Alter kluger werde. Ich habe auch begonnen andere Bucherzu lesen. Dostojewski zum Beispiel.

- Was brachte sie dazu, solche Bucherzu lesen?

- Friiher oder spater beginnt jeder Mensch zu uberlegen, was der Sinn des Lebens ist, und was die wirklich wichtigen Eigenschaften sind.

- Aberwarum Dostojewski und nicht Balsakzum Beispiel?

- Balsak habe ich in der Schule gelesen. Von Dostojewski war mir damals sogar das leichteste Stuck zu hoch. Obwohl es auf dem Schulplan stand. Heute bin ich scheinbar so weit, dass ich ihn verstehe.

- Viele Frauensportler, die Kinder haben, machen sich sehr oft Sorgen, weil sie nicht so viel Zeit mit der Familie verbringen konnen. Sie scheint es nicht sonderlich zu kiimmern, dass ihre Sohne praktisch ohne ihre Anteilnahme aufwachsen.

- Das ist keine korrekte Frage. Leider habe ich als tatiger Sportier nicht die Moglichkeit standig daheim zu sein. Also sollte ich auch nicht daruber nachdenken.

- Aber bei einem Sportier - vor allem bei einem Olympiasieger - stellt sich mindestens alle vier Jahre die Frage: gehen - oder bis zu den nachsten Spielen bleiben. Genau in diesem Moment wirkt auch die Familie auf diese Entscheidung ein.

- Ich war nach den Spielen in Atlanta knapp davor, aufzuhoren. Die Entscheidung weitere vier Jahre zu bleiben, fiel mir nicht leicht. Aber meine Familie ist fur mich eine dermassen sichere Stutze, dass sie mir nie im Weg stand. Sie hat mich immer unterstutzt. Dieses Gefuhl, lasst keine Schuldgefuhle vor den Verwandten zu. Obwohl, wenn ich ehrlich bin, dieses Gefuhl schon vorhanden ist. Es war bereits einmal so: Als ich erst anfing, bei Wettkampfen aufzutreten, und fur langere Zeit aus dem Elternhaus weg war, habe ich bemerkt, dass ich jedes Mai beim Zuruckkommen in ein Leben trete, das ich nicht mehr gewohnt bin. Und das mich nicht mehr gewohnt ist. Ich war fur meine Eltern noch immer der nachste Mensch, aber ich spurte, dass daheim ein Klima herrschte, an das ich mich nicht mehr anpassen kann.

- Haben sie keine Angst, dass sie eines Tages, wenn sie zu ihrer Familie zuruckkehren, das selbe spiiren werden?

- In meiner Familie habe ich doch viel mehr Einwirkung als bei meinen Eltern. Ich versuche aber nie zu erreichen, dass daheim alles nach meinem Willen lauft. Ich werde nie glauben, dass eine wirkliche Familie einen Mann dabei storen kann, seine Geschafte zu verrichten. Sie kann einfach nicht. Davon bin ich uberzeugt.

- Mussen sie auch Mannerarbeiten im Haus verrichten?

- Ich bin Mechaniker von Beruf. Deshalb ist es kein Problem fur mich irgend etwas anzuschrauben oder einen Nagel einzuschlagen. Aber mit einem viel grosseren Effekt, fiihre ich zerstorende Funktionen durch - Turen aushangen, den Zaun zu zerlegen, Holz zu hacken...

- Wer hat ihnen beigebracht Holz zu hacken?

- Mein Vater. Er war Autofahrer von Beruf, war immer lange weg und brachte einmal von einer Fernfahrt einen Lastwagen mit einem vollen Anhanger Birkenholz mit. Er lud das alles im Hof aus, und gab mir die Aufgabe, das alles innerhalb von einer Woche zu hacken und im Stall zu verstauen. Ich schaffte es. Aber mein Vater schimpfte mich trotzdem - weil ich die Axt kaputtgemacht - und die Splitter nicht aufgeraumt habe.

- Was machen ihre Eltern jetzt?

- Sie haben einen Bauernhof-Huhner, Schweine, Pferde, eine Kuh... Ich habe-wenn ich komme, die ganze Arbeit am Hals: Garten umbuddeln, Kartoffeln ernten, den Mist aus dem Anhanger zu laden, den Futtertrog zu putzen. Und wenn es sein muss - das Vieh zu schlachten.

- Tut es ihnen nicht leid?

- Manchmal. Wissen sie, das Leben im Dorf ist relativ materiell - die Stadtbewohner konnen Fleisch essen, ohne sich Gedanken zu machen, wo es herkommt- aber man ist manchmal doch sehr sentimental, was die Tiere betrifft. Meine Mutter hat zum Beispiel einmal ein Ferkel aufgezogen, das viel zu schwach geboren wurde. Dieses Ferkel lebte sehr lange bei uns daheim, wie ein Hund und wurde riesengross. Als dann die Zeit gekommen war, und es geschlachtet werden musste, konnte weder meine Mutter, noch mein Vater das tun. Ich habe es dann geschlachtet, weil ich am wenigsten Bezug zu dem Tier hatte. Aber ich bin nicht stolz darauf. Ja, ich kann einem Tier die Haut abziehen und das Fleisch richtig aufteilen, aber ich konnte nie auf einem Schlachthof arbeiten.

- Sie (jetzt weiss ich das sicher) konnen Fleisch sehr gut kochen. Was gibt es bei ihnen am Festtisch?

- Ich mag es, wenn der Tisch fast einbricht. Deshalb gibt es dort alles - Fleisch, Salate, Obst, Fisch. Meine Eltern machen sich riesige Mengen von Wintervorraten, weil es ihnen gefallt. Ihre letzte kulinarische Leistung ist ein auf besondere Art eingemachtes Sauerkraut und wenig gesaizener Hering. Ich bin mir sicher, dass mein Vater, wenn es in Novosibirsk ein Meer geben wurde, den Fisch gleich von den Schiffen kaufen wurde. Er ist der, der alles fur daheim besorgt. Aber der wirkliche «Herr im Haus» war schon immer meine Mutter, auch wenn sie es nicht so zeigt.

- Ist es schwer zu ringen, wenn die Eltern auf der Tribune sitzen?

- Ich versuche nicht daran zu denken, aber im Unterbewusstsein lasst mir das keine Ruhe und verpflichtet sehr. Meine Eltern sind ja stolzer auf mich als irgendwer anderer. Ich bin ja schliesslich der Sohn...

- Traumen sie vom Ringen?

- Wissen sie, im Finale von den Spielen in Seoul hat mich Rangel Girovski sehr emiedrigend geworfen - An einer Hand von den Knien, uber den Rucken. Ich traumte ein halbes Jahr von diesem Wurf - Jede Nacht. Ich traumte dass ich fliege, dass jeden Moment der Abpfiff kommen wird. Dann wachte ich auf- und wusste nicht ob ich gewonnen oder verloren hatte. Deshalb mag ich es nicht uber Traume zu reden. Gott sei Dank schlafe ich gut - auch wahrend der Wettkampfe.

- Erholen sie sich oft im Ausland?

- Manchmal. Aber wenn ich die Gelegenheit dazu habe, verbringe ich meinen Urlaub zu Hause.

- Warum?

- Weil ich viel lieber Herr bin, als Gast.

1999

 

 

 

© Елена Вайцеховская, 2003
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